📖 Buch Rezension & Kritik: Die schöne Frau bedarf der ZĂŒgel nicht -

Rezension vom 01.06.2023

Ein sehr schönes, italienisch-deutsches Buch ĂŒber eine faszinierende Frau und ihr Werk aus dem 17. Jahrhundert.

Dank Christine Wunnicke und des Berenberg Verlags dĂŒrfen wir eine faszinierende Frau und ihr Werk aus dem 17. Jahrhundert entdecken: Margherita Costa - Schriftstellerin, Poetin, Opernstar und Kurtisane, aber auch Mutter, Feministin und Freigeist. In der schönen, italienisch-deutschen Ausgabe “Margherita Costa: Die schöne Frau bedarf der ZĂŒgel nicht” (erschienen im FrĂŒhjahr 2023), sind jetzt erstmals Texte aus ihrem 15 BĂŒcher umfassenden Werk in Deutsche ĂŒbersetzt worden. Auch wenn es sich um 400 Jahre alte Texte aus dem Hochbarock handelt, lesen sie sich erstaunlich aktuell. Zum Beispiel wenn Margherita Costa ĂŒber die VergĂ€nglichkeit der Schönheit klagt oder ĂŒber die Leiden eine Frau zu sein:

“Ich Ärmste! Meine Schönheit ist verschwunden! / Wohin? Das Strahlen meiner Augen? Wo? / Mein hartes Herz? Es schlug so viele Wunden - / Die BlĂŒte meines FrĂŒhlings, sie entfloh! / (…) Darf ich als Frau auf Gutes hoffen? / Was sind wir fĂŒr geschundne Kreaturen! / (…) Ein Weib zu sein / bedeutet Schaden, Schande, Schmerz und Pein.”

Aber nicht nur mit diesen feministischen Gedichten hat sich die Römerin Margherita Costa einen Namen gemacht. Sie hat auch Kurioses und Satirisches zu Papier gebracht. So lesen sich die fiktionalen Liebesbriefe eines Verliebten ohne Arm an eine Frau ohne Nase oder die Briefe eines buckligen Verliebten an eine schielende Frau höchst amĂŒsant: “So fahrt denn gerne fort, Euren geraden Blick auf meinen ungeraden zu richten, auf dass mein unschiefer Busen sich an Eure Schiefheit recht anschmiege. (…) von einer, die Eure Schiefheit schief sieht”.

Der zweisprachigen Werkauswahl stellt Christine Wunnicke eine Einleitung vom Leben, Schreiben und Verschwinden der Virtuosin Margherita Costa voran. Hier erfĂ€hrt man einiges ĂŒber den geschichtlichen Hintergrund, Costas Liebschaften und Verbindungen zu den Medici und Papstfamilien. Was ich zum Beispiel nicht wusste, dass Prostition im damaligen Rom ein legales Gewerbe war (mit Auflagen und Einnahmen fĂŒr den Heiligen Stuhl).

“Margherita Costa: Die schöne Frau bedarf der ZĂŒgel nicht” ist ein inspirierendes Werk, das fĂŒr mich einem Artist Date nach Julia Cameron gleichkommt. Es hat meine KreativitĂ€t beflĂŒgelt und mir einen Schub beim Schreiben verpasst.

Unbedingte Leseempfehlung fĂŒr alle, die sich fĂŒr talentierte Frauen vergangener Jahrhunderte interessieren.

Vielen Dank an den Berenberg Verlag fĂŒr das Rezensionsexemplar.

Rezension - besprochenes Buch: Die schöne Frau bedarf der ZĂŒgel nicht

Titel: Die schöne Frau bedarf der ZĂŒgel nicht
Belletristik
⭐⭐⭐⭐⭐
352 Seiten
Verlag: Berenberg Verlag
Erscheinungsjahr:
ISBN: 978-3-949203-48-0
Buch Webseite beim Verlag
Verlag Webseite

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